Handel mit Bitcoin! Was sagt der Staat?

„Niederlage für das Bafin – aber kein Sieg für die Krypto-Fans“ sagt die FAZ!

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) war der Überzeugung, das für den Handel mit Bitcoin & Co. eine Zulassung im Sinne des Kreditwesengesetzes notwendig sein.

Der Bundesgerichtshof (BHG) sieht dies das aber anders. Sicherlich mag er seine Meinung noch mal revidieren, aber im Moment ist es geltendes Recht.

Doch was genau ist passiert?

BHG Urteil vom 25.09.2018

Mit seinem Urteil vom 25.9.2018 entschied das Kammergericht Berlin (Az.: (4) 161 Ss 28/18 (35/18)), dass der Handel mit Bitcoin nicht strafbar sei. Bitcoins seien keine Finanzinstrumente im Sinne des Kreditwesengesetzes, insbesondere keine Rechnungseinheiten. Was auf den ersten Blick wenig aufregend klingt, bietet reichlich Zündstoff.

Hintergrund / Was war passiert?

Der Anbieter einer Plattform, über die Bitcoins gehandelt werden konnten, wurde erstinstanzlich wegen eines „fahrlässigen Verstoßes gemäß § 54 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 KWG“ zu einer Geldstrafe verurteilt. Das missfiel dem Betreiber der Plattform. Er legte Berufung ein. In der Berufung wurde er freigesprochen. Das wiederum missfiel der Staatsanwaltschaft Berlin. Sie legte Revision ein. Damit wurde der Grundstein für das erste obergerichtliche Urteil gelegt. So weit, so gut.

Das Wichtigste ist die Urteilsbegründung

Gegenstand der Strafsache war ein fahrlässiger Verstoß gegen § 54 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 KWG. Was heißt das genau?

Was steht in § 54 Abs. 1 Nr. 2 KWG ?

Wer ohne Erlaubnis nach § 32 Abs. 1 Satz 1 (…) Bankgeschäfte betreibt oder Finanzdienstleistungen erbringt, wird mit Freiheitsstrafe (…) oder Geldstrafe bestraft.

Der Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bedarf nach § 32 Abs. 1 S. 1 KWG, wer im Inland gewerbsmäßig oder in einem Umfang, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, Bankgeschäfte betreiben oder Finanzdienstleistungen erbringen will.

Der Beklagte soll also offenbar ein Bankgeschäft betrieben bzw. ein Finanzdienstleistung erbracht haben, ohne von der BaFin zuvor eine entsprechende Erlaubnis bekommen zu haben. Das Kammergericht ließ offen, ob der Handel mit Bitcoins über die vom Angeklagten betriebenen Plattform grundsätzlich ein Bankgeschäft in Form des Finanzkommissionsgeschäfts (§ 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 KWG) darstellt oder eine Finanzdienstleistung im Sinne einer Anlagevermittlung (§ 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 1 KWG), einer Abschlussvermittlung (§ 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 2 KWG) oder eines Betriebs eines multilateralen Handelssystems (§ 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 1b KWG). Nach Ansicht des Kammergerichts handelt es sich bei den über die Plattform des Betreibers vermittelten Bitcoins schon nicht um Finanzinstrumente, insbesondere nicht Rechnungseinheiten (§ 1 Abs. 11 Satz 1 KWG), was der Anwendung des KWG entgegenstand.

Wie bitte? Sie haben es richtig verstanden!

Das Kammergericht stellt sich diametral in Widerspruch zur Verwaltungspraxis der BaFin. Diese hat Bitcoins „als Finanzinstrument in der Form von Rechnungseinheiten gemäß § 1 Abs. 11 Satz 1 KWG qualifiziert.“

Nun kann man sich über die Auslegung von Rechtsbegriffen bekanntlich streiten. Das Kammergericht störte sich aber offenbar daran, dass die BaFin Bitcoins „rechtlich verbindlich“ als Recheneinheiten qualifiziert und damit die durch die Gewaltenteilung abgesteckten Grenzen überschritten haben könnte.

Das Kammergericht nahm kein Blatt vor dem Mund!

Soweit die BaFin die Ansicht vertritt, es handele sich bei Bitcoins um eine Komplementärwährung, die unter den Begriff Rechnungseinheit zu fassen ist (…) verkennt sie, dass es nicht Aufgabe der Bundesbehörden ist, rechtsgestaltend (insbesondere) in Strafgesetze einzugreifen. (…) Das Bestimmtheitsgebot des Art. 103 Abs. 2 GG verlangt (…), den Wortlaut von Strafnormen so zu fassen, dass der Normadressat im Regelfall bereits anhand des Wortlauts der gesetzlichen Vorschrift voraussehen kann, ob ein Verhalten strafbar ist oder nicht. Zwar wird der BaFin in § 6 KWG eine allgemeine Missstandsaufsicht und allgemeine Anordnungskompetenz zum Erlass von gegen Institute gerichteten Verwaltungsakten zugesprochen. (…) Das genannte Merkblatt hat (aber) keinen rechtsgestaltenden Charakter und kann einen solchen auch nicht haben. Mit der Behauptung, Bitcoins fielen unter den Begriff der Rechnungseinheiten im Sinne von § 1 Abs. 11 KWG, überspannt die Bundesanstalt den ihr zugewiesenen Aufgabenbereich. Der Gesetzgeber hat selbst die Voraussetzungen der Strafbarkeit zu bestimmen und darf diese Entscheidung nicht den Organen der vollziehenden Gewalt überlassen. (Hervorhebungen, Ergänzungen und Streichungen durch uns)

Puh! Das war deutlich!

Eher eine Randnotiz ist die Auseinandersetzung mit der Frage, ob es sich bei Bitcoins um E-Geld handelt. Das ist nicht der Fall, weil es insofern bereits an einem Emittenten fehle. Insofern sind sich das Kammergericht und die BaFin einig.

Welche Auswirkungen hat das Urteil in der Praxis?

Das Urteil ist und bleibt eine Einzelfallentscheidung. Andere Strafgerichte, vor allem aber Verwaltungsgerichte, können die Frage, ob Bitcoins Finanzinstrumente sind oder nicht, durchaus anders entscheiden. Der allgemeine Grundsatz der Gleichheit der Rechtsordnung steht dem nicht zwingend entgegen.

Somit habe wir zwar das aktuelle Recht auf unsere Seite, aber echte Rechtssicherheit sieht anders aus!

Wie haben deshalb, sicherheitshalber, einen eigenen Anwalt eingestellt und eine Zulassung als Rechtsdienstleiter und Inkassounternehmen beantragt um den Handel mit der coinagentur.de  auch zukünftig rechtssicher dar stellen zu können!

Auch die FAZ schreibt In ihrer digitalen Ausgabe

„Niederlage für Bafin – aber kein Sieg für die Krypto-Fans“.

Marktteilnehmer sind weiterhin gut beraten, sich vor dem gewerblichen Handel mit „Krypto-Währungen“ oder der Beteiligung daran ein rechtliches Bild davon zu machen, ob das geplante Handeln tatsächlich erlaubnis- und straffrei ist.

Wie sieht die Zukunft aus?

Das Kammergericht machte deutlich, dass der Gesetzgeber selbst die Voraussetzungen der Strafbarkeit zu bestimmen hätte und diese Entscheidung nicht den Organen der vollziehenden Gewalt überlassen sollte. Ob der Gesetzgeber diese „Handlungsempfehlung“ aufgreift, ist derzeit nicht absehbar.

Dass das Thema „Krypto-Währung“ reguliert wird, ist dagegen nicht eine Frage des Ob, sondern nur des Wann.

Ich selber weiß, das es in Liechtenstein hierzu bald ein Gesetz geben wird.

Eine passende Gelegenheit könnte die Umsetzung der 5. EU-Geldwäscherichtlinie in deutsches Recht sein. Im Rahmen der Umsetzung dieser Richtlinie könnte der Gesetzgeber ausdrücklich regeln, dass Bitcoin und andere „Krypto-Währungen“ Rechnungseinheiten im Sinne des KWG sind.

Wenn Sie also als Vermittler in diesem Bereich arbeiten, suchen Sie sich bitte Ihre Partner sehr genau aus, damit Sie immer rechtlich sauber arbeiten.

Bei Rückfragen bitte melden!

 

 

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