Auch das noch!

Zum 21. Dezember tritt eine Gesetzesänderung in Kraft, die für die Inhaber von Lebensversicherungen teuer werden kann. Immer mehr Versicherungsnehmer spielen daher mit dem Gedanken, ihre Lebensversicherung zu kündigen. Die Gesetzesänderung sieht vor, dass eine bisher geltende Bestimmung aufgehoben wird, wonach die Hälfte der Bewertungsreserven, über die Lebensversicherungsgesellschaften verfügen, an die Kunden ausgeschüttet wird. Der Bundesverband der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD) warnt, dass die Gesetzesänderung für Kunden von Lebensversicherungsgesellschaften erhebliche Einbußen mit sich bringen wird. Besonders betroffen seien Versicherungsnehmer, deren Kapitallebensversicherungen in den nächsten fünf Jahren auslaufen und die dann ausgezahlt werden müssen.
Abschläge durch Gesetzesänderung – ein Grund, die Lebensversicherung zu kündigen?

Nach ersten überschlägigen Berechnungen des BDRD belaufen sich die Verluste, die Versicherungsnehmern aufgrund der Gesetzesänderung entstehen, auf etwa ein Zehntel des zur Auszahlung stehenden Betrages. Wer bisher davon ausgehen konnte, 100.000 Euro ausgezahlt zu bekommen, muss daher damit rechnen, dass ihm nach Ablauf der Vertragslaufzeit nur noch 90.000 Euro überwiesen werden. Dennoch warnen Fachleute davor, die Lebensversicherung aus der ersten Verärgerung heraus zu kündigen. Denn in den meisten Fällen behält die Versicherung bei der Kündigung einen erheblichen Teil des Anlagebetrages ein, so dass trotz der für Versicherungsnehmer ungünstigen Gesetzesänderung die Verluste bei einer Kündigung einer Lebensversicherung noch größer sein können, als wenn die Versicherung zu Ende geführt würde.
Die Alternativen: Lebensversicherung kündigen oder fortführen

Dass auch die vorzeitige Kündigung mit Abschlägen auf den Anlagebetrag verbunden ist, liegt daran, dass die Versicherungsunternehmen berechtigt sind, bei einer Kündigung nur einen sogenannten Rückkaufwert auszuzahlen, der geringer ist als das angesparte Kapital zum Kündigungszeitpunkt. Begründet wird das damit, das bei kürzerer Vertragslaufzeit die Verwaltungskosten stärker ins Gewicht fallen als bei einer regulären Vertragserfüllung und dass die Versicherungsunternehmen sich gegen Planungsunsicherheiten, wie sie durch eine vorzeitige Vertragsbeendigung entstehen, absichern können müssen. Versicherungsnehmer, die aus Verärgerung über die zum 21. Dezember in Kraft tretende Gesetzesänderung und die mit ihr verbundene niedrigere Endauszahlungssumme mit einer Kündigung liebäugeln, sollten daher nicht aus dem Bauch heraus entscheiden, sondern sich genau ausrechnen, welche der beiden Alternativen für sie günstiger ist – Vertragserfüllung oder Kündigung.
Erst Ertrag berechnen, dann Lebensversicherung kündigen

Zu bedenken ist dabei auch, dass viele Versicherungen über gar keine Bewertungsreserven verfügen – und daher von der Gesetzesänderung auch nicht betroffen sind, wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) informiert. Wer eine Lebensversicherung bei einer Gesellschaft abgeschlossen hat, die über keine Bewertungsreserven verfügt, muss auch nicht mit Abschlägen infolge der zum 21. Dezember in Kraft tretenden Gesetzesänderung rechnen. Denn die Ertragskalkulation für seine Lebensversicherung wurde dann bereits unter der Annahme gemacht, dass keine Bewertungsreserven vorhanden sind.
Wer seine Lebensversicherung kündigen will, muss sich beeilen

Kunden von Lebensversicherungen sollten sich also genau informieren, bevor sie weitere Schritte einleiten. Denn nur dann, wenn sie wissen, wie hoch die Bewertungsreserven ihrer Versicherung sind und wie hoch der daraus auf ihren eigenen Vertrag entfallende Anteil ist, können sie berechnen, ob sie mit einer Vertragserfüllung besser “fahren” als mit einer vorzeitigen Kündigung. In jedem Fall sollten sich besorgte Versicherungsnehmer aber schnell an einen Finanzexperten des Vertrauens oder an die Versicherung wenden, um die notwendigen Informationen einzuholen – denn wenn sie sich entscheiden, ihre Lebensversicherung zu kündigen, muss die Kündigung dem Versicherungsunternehmen am letzten Arbeitstag vor dem 21. Dezember in schriftlicher Form vorliegen.

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